Mag.a Birgit Zesar-Bergmair Pikler®-Pädagogin, Family Counselor, Lebens- und Sozialberaterin

Bewusstseinswandel im Umgang mit Kleinkindern

Leitgedanken zur Arbeit nach Emmi Pikler




Die Achtung und der Respekt vor den Kompetenzen und Fähigkeiten, die jeder Mensch mit auf die Welt bringt, prägen Emmi Piklers Bild vom Kind. In diesem Sinne vertrauen wir von Beginn an darauf, dass das Kind uns versteht und mit uns zusammen arbeiten wird.

„Das Kind ist eine Person -

eine eigenständige Persönlichkeit, ein lebendiges, empfindsames, verständiges und reaktionsfähiges Gegenüber,

das von Beginn an aktiv an seiner Entwicklung beteiligt ist.“

Judith Falk


Respektvoller Umgang, beziehungsvolle Pflege sowie freie Bewegungs- und Spielentwicklung bilden die Grundlage für selbstbestimmtes Lernen und eigenständige Persönlichkeitsentwicklung. Neuere Forschungen bestätigen, wovon die ungarische Kinderärztin Dr. Emmi Pikler bereits 1930 ausging: Auf der Basis einer vertrauensvollen Beziehung und in einer seinem Entwicklungsalter entsprechend vorbereiteten Umgebung ist der Säugling in der Lage, seine motorischen Fähigkeiten selbstständig zu entwickeln. Auch im Spiel benötigt das Kind nicht die Anregungen der Erwachsenen. Vielmehr dient das Spiel dem Kind dazu, eigenständige Erfahrungen zu sammeln und daraus resultierende Erkenntnisse aufzubauen.

 

„Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt.

Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind, berauben wir es gerade dessen,

was für seine geistige Entwicklung das Wichtigste ist.“

Emmi Pikler


Das Schlüsselwort heißt Beziehung

Leitgedanken zur Arbeit nach Jesper Juul


Die Basis gelingender Beziehungen beruht auf den vier Eckpfeilern Gleichwürdigkeit, Integrität, Authentizität und Verantwortung.

 

Gleichwürdigkeit

mit Kindern auf gleicher Augenhöhe sein

Integrität

die eigene Persönlichkeit wahren 

Authentizität

echt und wahrhaftig sein

Verantwortung

beginnt bei und in mir selbst

 

In der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern können wir davon ausgehen, dass Kinder tendenziell kooperieren. Dabei kopieren sie das Tun, Denken, Fühlen und Handeln der Erwachsenen. Wie wir also uns selbst, unserem Partner, insbesondere aber unseren Kindern begegnen, wie wir sie berühren, wie wir miteinander und mit unseren Kindern sprechen, wie wir Konflikte und Streit austragen, das ist es, woran sich Kinder orientieren.

 

Nicht immer kooperieren Kinder direkt. Zahlreiche Kinder spiegeln das Sein ihres unmittelbaren Bezugssystems indirekt, also spiegelverkehrt, wodurch sich die Komplexität des Interaktionsgeschehens potenziert. Die Aufgabe von uns Erwachsenen besteht darin, die Verhaltensäußerungen unserer Kinder ernst zu nehmen, sie lesen zu lernen und in unsere Überlegungen und Entscheidungen mit einzubeziehen.

„Das Schlüsselwort heißt Beziehung,

die Qualität der Beziehung entscheidet über unser Wohlbefinden

 und unsere Entwicklung als Mensch.“

Jesper Juul